Wünsdorf, verbotene Stadt
Wünsdorf liegt eine knappe Stunde südlich von Berlin, und bis 1994 fand man es auf kaum einer Karte, die man kaufen konnte.
Hier saß das Oberkommando der sowjetischen Truppen in Deutschland. Zehntausende Soldaten und ihre Familien lebten hinter Zäunen, mit eigenen Schulen, Läden und einem eigenen Zug nach Moskau. Für die Leute aus der Umgebung war es die verbotene Stadt.
Nach dem Abzug blieben Kasernen mit leeren Fenstern, kyrillische Aufschriften unter abblätternder Farbe und Birken, die durch Dächer wachsen. Ein Teil des Geländes ist heute Wohngebiet, ein anderer Bücherstadt mit Antiquariaten in alten Offiziershäusern.
Ich habe eine Führung durch die Bunker gemacht und danach drei Stunden in einem Antiquariat verbracht. Gekauft habe ich einen Ost-Berliner Stadtplan von 1988. Der Westteil ist darauf eine blasse Fläche ohne Straßen.