8 Years Liberty

Nebel auf der Glienicker Brücke

Eine Stahlbrücke im Morgennebel über stillem Wasser
Halb sieben, Havel, kein Wind.

Ich war um halb sieben da, weil ich den Nebel wollte. Die Havel lag still, die Laternen auf der Brücke brannten noch, und von Potsdam her kamen die ersten Radfahrer mit Thermobechern am Lenker.

Bis 1989 verlief die Grenze genau über die Mitte dieser Brücke. Normaler Verkehr war nicht erlaubt, gebraucht wurde sie trotzdem: Hier tauschten Ost und West mehrmals Gefangene und Agenten aus, zum ersten Mal 1962. Daher der Spitzname, den jeder kennt.

Man erzählt sich, die beiden Hälften seien damals in leicht verschiedenen Grüntönen gestrichen worden, weil jede Seite ihren Teil selbst pflegte. Ich habe lange in der Mitte gestanden und versucht, den Unterschied zu sehen. Im Nebel ist alles dasselbe Grau.

Auf dem Rückweg habe ich mich auf eine Bank am Ufer gesetzt und zugeschaut, wie die Sonne die Brücke Stück für Stück zurückgibt. Erst die Bögen, dann das Geländer, zuletzt die Mitte.