8 Years Liberty

Unter der Grenze durch

Ein dunkler, gesperrter Bahnhof, an dem ein Zug ohne Halt vorbeifährt
So stelle ich es mir vor. Fotos aus dieser Zeit gibt es in der Ausstellung am Nordbahnhof.

Wer heute mit der S-Bahn vom Nordbahnhof nach Süden fährt, merkt nichts. Bis 1989 fuhren die Züge aus West-Berlin hier unter Ost-Berlin hindurch, ohne anzuhalten. Die Stationen dazwischen waren gesperrt, schwach beleuchtet und bewacht. Die Berliner nannten sie Geisterbahnhöfe.

Im Nordbahnhof selbst erzählt eine kleine Ausstellung davon. Ich stand lange vor den Fotos: leere Bahnsteige, verblichene Schilder, ein Posten in seinem Häuschen, der den vorbeifahrenden Zug beobachtet. Die Fahrgäste hinter der Scheibe haben wahrscheinlich nicht einmal hochgesehen.

Danach bin ich die Strecke einmal komplett mitgefahren, mit der Nase am Fenster. An manchen Stationen ahnt man noch, wo früher Wände standen. Meistens sieht man nur Werbung für Handyverträge, und vielleicht ist das die beste Pointe der ganzen Geschichte.

Die Friedrichstraße war die Ausnahme: Grenzübergang, Umsteigebahnhof und Ort vieler Abschiede. Das Abfertigungsgebäude daneben heißt bis heute Tränenpalast.